Wie war der Tatort Stuttgart mit dem Mann, wo meine Schwester bumsen tut?

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In den letzten Wochen haben mich, mit wenigen Ausnahmen, die meisten Tatorte enttäuscht. Sie haben mich entweder kalt gelassen, war zu verwirrend oder einfach irgendwie kitschig. Gestern Abend habe ich daher keine große Hoffnung in den Tatort aus Stuttgart gelegt.
Zu Beginn das Tatorts sah ich mich eigentlich bestätigt. Besonders unangenehm stießen mir die holprigen und pathetischen Dialoge auf, was ich von Autor Wolfgang Stauch bislang nicht kannte. „Sie kümmern sich um die Toten, ich um die Lebenden“ war eines der Beispiele, die ich persönlich zu kitschig fand. Er klingt nach 19. Jahrhundert oder noch älter. Auf der anderen Seite versuchte man sich in Jugendsprache. „Mann, wo meine Schwester bumsen tut.“ Herrje!!! Grammatikalisch wäre es ja astreines Schwäbisches, wenn man es als solches aussprechen täte. Also was jetzt? Ghetto? Oder Schwäbisches?? Oder beides? Mir wäre hier jede Variante lieber gewesen, nur nicht die, für die sich die Macher entschieden hatten.
Doch wenn man diese Phase überstanden hatte, wurde man belohnt. Während viele der anderen Tatorte geraden damit beschäftigt sind, altbekannte Erzählstrukturen aufzubrechen, kam der gestrige Tatort Stuttgart als klassischer Sonntagsrkimi daher. Und das hat Seltenheitswert – mittlerweile.
Wenn man sich durch die ersten 30 Minuten gekämpfte hatte, entwickelte sich „Happy Birthday, Sarah“ zu einem spannungsgeladenen Krimi mit einer Bemerkenswerten Titelfigur. Schauspielerin Ruby O. Fee spielte überzeugend und mitreißend.
Wasserdicht ist der Krimi allerdings nicht zu 100%. Einige Fährten verlaufen im Laufe der Handlung im Nichts und werden nicht weiter aufgegriffen. Das ist in sofern schade, als dass es sich – wie gesagt – um einen konventionellen Krimi handelte. Kurzweilige Unterhaltung bot der Tatort jedoch auf jeden Fall. Für mich war es sogar einer der besten im 2. Halbjahr.