Fernsehen gernsehen

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Ladies und Gentlemänner,

es ist ein wenig Zeit seit meinem letzten Blogeintrag vergangen. Aber dafür gibt es einen handfesten Grund. Ein Buch. Mein Buch. Die Biografie des TV-Zwitscherers Ben Kaspari – mit so namhaften Kapitel wie „ALF“, „Ein Colt für alle Fälle“ etc.

Der Roman entführt euch zurück in die 80er und 90er Jahre, als das Fernsehen noch faszinierende, bunte Bilder ausstrahlte. Schaut es euch an! Mehr demnächst.

Videotext für alle!

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Liebe Fernsehgemeinde, heute gedenken wir einer wahren TV-Innovation und ihrer etwas unbeholfenen Verbreitungsmethode.

«Videotext für alle» wurde im Oktober 1982 sowohl im Ersten Deutschen Fernsehen als auch im ZDF geboren und entstand rund zwei Jahre nach dem die technische Neuerung des Teletextes in Deutschland eingeführt wurde. Dies war ein zusätzliches, interaktives Angebot, durch welches die Zuschauer parallel zum traditionellen Programm mithilfe ihrer Fernbedienung Bildtafeln auswählen konnten, auf denen aktuelle Nachrichten oder Programmhinweise zu lesen waren. Vorgestellt wurde der Dienst bereits auf der Internationalen Funkausstellung im Jahr 1977, bevor er ab 1. Juni 1980 deutschlandweit über die Frequenzen der öffentlich-rechtlichen Hauptsender zu empfangen war. Weil der eigentliche Name „Teletext“ in Deutschland schon geschützt war, wurde das Angebot in „Videotext“ umbenannt.

Seine Inhalte wurden dabei über die sogenannte Austastlücke übertragen. Dahinter verbarg sich der Zeitraum, den der Elektronenstrahl in der Bildröhre eines analogen Fernsehgeräts benötigte, um wieder an seinen Ausgangspunkt zurückzukehren. In dieser Zeit wurde das Bild dunkel geschaltet, was jedoch so schnell ablief, dass es für das menschliche Auge unsichtbar blieb. In jener Lücke, die eben nicht für das eigentliche Fernsehbild genutzt werden konnte, ließen sich weitere Informationen wie z.B. VPS-Signale (ab 1985) oder der Teletext verbreiten. Da die Leerstelle jedoch sehr „klein“ war, konnten nur geringe Mengen an Daten übertragen werden, sodass pro Tafel insgesamt 25 sichtbare Zeilen mit je 40 Zeichen zur Verfügung standen. Zwei davon waren allein für Kopf- und Fußzeile reserviert. Dadurch wirkte der Text stets optisch wenig ansprechend und wurde schon bei seiner Einführung als rückständig eingestuft.

Bedingung für den Empfang war das Vorhandensein eines teletexttauglichen Fernsehgerätes, deren Verbreitung zu jener Zeit noch nicht sehr hoch war. Daher zeigten die beiden Sendeanstalten ab 1982 regelmäßig eine Auswahl der wichtigsten Teletext-Tafeln im laufenden, traditionellen Fernsehprogramm. Anders als beim eigentlichen Dienst hatten die Zuschauer dabei jedoch keinen Einfluss darauf, welche Tafeln gezeigt wurden, denn sie liefen in einer festgelegten Reihenfolge ab und sollten einen Überblick über das Angebot liefern.

Das erfolgte stets außerhalb der eigentlichen Sendezeiten, also in den Anfangsjahren am Ende des gemeinsamen Vormittagsprogramms von ARD und ZDF ab 13.15 Uhr für etwa eine Viertelstunde und dann noch einmal vor Beginn des jeweiligen Nachmittagsprogramms um 15.40 Uhr für rund 20 Minuten. Auf diese Weise kamen nicht nur alle Zuschauer in den Genuss der technischen Innovation, sondern die Sender konnten auch ihrer Informationspflicht außerhalb der Sendezeiten nachkommen und das Publikum auf einfache Weise mit aktuellen Nachrichten versorgen

Am 18. Juli 1987 zog dann der WDR als erster Regionalsender mit einer eigenen Version der Reihe nach und präsentierte in «WDR-Videotext für alle» eine Auswahl seines Angebots, das wiederum seit Januar 1983 in Betrieb war. Nach zehn Jahren endete im Jahr 1990 der Testbetrieb des Videotextes von ARD und ZDF und ging endlich in den Regelbetrieb über. Deswegen wurde nicht nur der Umfang des Angebots auf rund 400 Seiten, sondern auch seine Aktualität erhöht. Die Redaktion befüllte nun von 05.00 Uhr früh bis 03.00 Uhr nachts die Tafeln. Zudem wanderte das Format «Videotext für alle» ins Nachtprogramm und verkürzte auf diese Weise die Nachtlücke zwischen Sendeschluss und Frühprogramm.

Als ab 1. September 1995 das Erste sein Programm auf einen 24-Stunden-Betrieb ausweitete und die Nachtlücke von 03.00 Uhr bis 05.45 Uhr fortan mit Wiederholungen bestückte, verschwanden auch die Teletext-Tafeln aus dem regulären Programm. Beim ZDF blieb das Angebot unter dem Titel «Text aktuell» noch etwas länger auf Sendung, tauchte dann aber irgendwann auch nicht mehr in den Sendeabläufen auf.

«Videotext für alle» wurde in seiner letzten Variante im Jahr 1997 beerdigt und erreichte ein Alter von rund 15 Jahren. Das Angebot des Teletexts gibt es trotz aller anfänglichen Vorbehalte noch immer. Im Jahr 1988 zog Sat.1 als erster Privatanbieter nach, bevor in den Jahren 1992 und 1994 auch RTL und ProSieben folgten. Seit der Jahrtausendwende bieten ARD und ZDF keinen gemeinsamen Text mehr, sondern jeweils eine eigene Variante an. Das beschriebene technische Verfahren zur Übertragung der Bildtafeln wird übrigens beim analogen Fernsehen noch immer angewandt.

Möge die Reihe in Frieden ruhen!

(Quelle: http://www.quotenmeter.de)

80er-Jahre Revival – The Goldbergs auf ABC

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Man soll ja Gelegenheiten immer beim Schopf ergreifen. Vor wenigen Wochen war ich in den USA und habe die ersten Folgen der Serie „The Goldbergs“ auf ABC gesehen. Bereits der Trailer hat bei mir Vorfreude ohne Ende ausgelöst. Eine Serie im 80er-Style mit 80er-Klamotten und 80er-Sprüchen. Eigentlich hatte ich das seit ALF nicht mehr…
Fasziniert hat mich zunächst, dass – nach Mad Men und Pan Am – sich eine weitere Serie einem Jahrzehnt widmet. Diesmal waren es die 80er-Jahre, und die Serie scheint ganz auf Unterhaltung und Spaß getrimmt zu sein. Doch um entweder in Richtung Mad Men zu gehen oder auch um an „Die wunderbaren Jahre“ heranzureichen, fehlen ihr Tiefgang und Esprit.
UND: Es fehlt ihr an gut gezeichneten Charakteren. Irgendwie scheint jeder in der Familie ein Choleriker zu sein. Das macht vielleicht dem Autor Spaß zu schreiben, der Zuschauer vermisst jedoch schnell etwas Abwechslung.
Leider, leider sind die Goldbergs daher nur halb so lustig, wie sie hätten sein können. Der Autor klebt zu sehr an seiner eigenen Vergangenheit und versieht zudem den Abspann mit Filmschnipseln der eigenen Familie aus den 80ern. Muss nicht sein. Schreib lieber was Witziges, als uns alle daran teilhaben zu lassen, wie Du die 80er-Jahre und die Erlebnisse mit Deiner Familie aufarbeitest.
Einziger Lichtblick aus meiner Sicht ist Jeff Garlin, der hierzulande wahrscheinlich eher unbekannt ist, aber neben Seinfeld Co-Creator Larry David bereits in Curb Your Enthusiasm brillierte. Garlins erster Auftritt als Familienvater war mein absoluter Höhepunkt, und ich musste lauf auflachen. Doch Vorsicht! Bereits nach fünf Sekunden ist die Nummer auch schon wieder vorbei:

Was mit den Goldbergs in der deutschen Synchronisation passieren wird, kann man sich im Moment noch gar nicht vorstellen. Vielleicht schaffen Sie es nicht über den Atlantik – und wenn sie es doch schaffen, drücke ich die Daumen, dass der deutschen Synchronisation etwas gelingt, was nur ganz selten passiert (aber immerhin passiert es bisweilen): Nämlich dass die Synchronisation lustiger ist als das Original.