Warum Deutschland keine Stars hat

Standard

Das Fernsehen macht Stars – und das Fernsehen lässt die Stars wieder fallen. Viele Talentierte und Untalentierte träumen von einer TV-Karriere. Aus ganz wenigen werden Stars oder zumindest beschäftigte Schauspieler bzw. Moderatoren. Die meisten jedoch müssen sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten. Viele arbeiten deswegen als Kellner, sind Künstler oder Fotografen, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Denn nur die großen Stars können wirklich vom TV leben.
Ein „Star zum Anfassen“ ist streng genommen ein Widerspruch in sich. Denn wenn ein Star so bekannt ist, dass ihn jeder erkennt und sich trotzdem gewissermaßen von jedem anfassen lässt, dann verliert der Star seine Besonderheit. Ein Star zeichnet sich eben dadurch aus, dass er sich dem Publikum entzieht und unnahbar ist. Diese Regel mag in Hollywood eingehalten werden, in Deutschland jedoch bekommen wir die Stars und Sternchen in aller Regelmäßigkeit kalt serviert. Wieder und immer wieder.
Nüchtern muss man feststellen, dass der Star das Produkt eines TV-Senders ist, der von der PR-Abteilung inszeniert wird. Das Auftreten in der Öffentlichkeit, die Medienpräsenz und die Interviews werden akribisch geplant und stets so gestaltet, dass dadurch der nächste Film/die nächste Sendung „promotet“ werden.
Für das Publikum sind Stars zudem eine Projektionsfläche für die eigenen Träume. Durch die Bewunderung für einen Star und das Anhimmeln, kann der Anhänger für kurze Zeit dem grauen Alltag entfliehen. Die Sehnsüchte, die damit verbunden werden, haben jedoch nichts mit der Wirklichkeit zu tun, denn die Projektsflächen sind lediglich Abbilder der „echten“ Menschen, die Stars in ihrem Alltag eigentlich sind. Was uns, dem Publikum vermittelt wird, ist ein durch geschickte Fotografien, durch Styling des Outfits, durch Make-up und Kulissen manipuliertes Abbild, das die PR-Agenturen um den Globus jagen. Diese Bilder entfalten bei uns ihre Wirkung und erwecken eine Faszination, der immer wieder viele erliegen. Das war in der Stummfilmzeit genauso wie es in der heutigen Medienlandschaft ist.
Von tausend Schauspielern oder Schauspielerinnen hat nur ein winziger Bruchteil die undefinierbare Eigenschaft, die man „Star Power“ nennt. Bei manchen verblasst die „Star Power“ schon nach kurzer Zeit, bei anderen hält sie über den Tod und nahezu ewig an. Dann wird aus einem Star ein Mythos.

Allerdings muss man den PR-Abteilung ein schlechtes Zeugnis ausstellen. Scheinbar halten sie sich nicht an diese PR-Regeln und verheizen Schauspieler und Moderatoren, bis sie wirklich niemand sehen kann. Ein Star entsteht so nicht, schnelles Geld kann man allerdings so machen.
Häufig wird der deutschen Gesellschaft vorgeworfen, dass sie eben nicht mit Stars könne, dass die Gesellschaft voller Neid sei und dass daher niemand bewundert werden kann, der viel Geld und Erfolg habe. Ich glaube das nicht. Die Art und Weise wie sich das Fernsehen verändert hat zeigt dies doch deutlich auf. Kuhlenkampf und Rosenthal wäre nicht mehr möglich. Sie würden sich auch weigern mit Stöckelschuhen durch die Wüste von Namibia zu laufen. Stattdessen darf man auf Pro7 immer die Pro7-Prominenten sehen, auf RTL die RTL-Stars und auf Sat1 deren lustige Truppe. Es nervt! Merkt ihr es denn nicht selbst? Wen interessiert das ständige Wiederkäuen von TV-Prominenz, die niemand leiden kann? Zu viel ist zu viel – und zieht auch nicht beim TV-Publikum.

PS: Atze Schröder hat dies übrigens erkannt! Er selbst hat neulich in einem TV-Interview mit Katrin Bauerfeind bestätigt, dass er sich bewusst zurückgenommen hat. Und seine Beliebtheit sei gestiegen!

The Voice oder The Taste???

Standard

Warum drehen die Deutschen Western?

Standard

Lex Barker war 1960 der Meinung, dass ein deutscher Western niemals funktionieren könnte. Zwei Jahre später spielte er den Old Shatterhand in „Der Schatz im Silbersee“ – einem der größten deutschen Filmerfolge, der auch international Anerkennung und Publikum fand. Im Vorfeld waren die Kritiker über „In einem wilden Land“ jedoch geteilter Meinung. Aber warum eigentlich?

Zunächst einmal gebührt Sat1 großes Lob für den Mut, dieses Projekt anzugehen. Normalerweise hören Drehbuchautoren, wenn sie eine Geschichte vorschlagen, die nur halb so aufwendig ist, immer den Satz: „Viel zu teuer.“ Tja, nach „billig“ sehen dann halt auch alle neueren Produktionen aus… Nicht so „In einem wilden Land“. Man drehte zwar nicht in Nordamerika, sondern in Südafrika, aber für einen TV-Film lässt es sich gut ansehen.

Wenn „Der Westen“ titelt: „Spaghetti-Western waren gestern. Jetzt kommt ein Kartoffel-Western“ dann irrt auch er gewaltig. Es gibt den Krautwestern schon länger als den Spaghetti-Western, der im Übrigen aus ihm entstanden ist. Durch die 6 Millionen Deutsche, die bis zum Ersten Weltkrieg in die USA ausgewandert sind und nicht selten in Siedlertrecks über die Prärien zogen, ist der Westen bereits seit 150 Jahren Teil der deutschen Populärkultur. Nicht durch diesen Film entstand ein neues Genre. Vielmehr ist „Im einem wilden Land“ die neueste Ausprägung eines Motivs, dass nicht nur Karl May bereits stark beackert hat.

Leider war die Handlung etwas zu schnulzig, als dass der Film zu einem Klassiker werden wird. Leider war Benno Führmann nicht in Bestform. Leider kam kein richtiges Westerngefühl auf. Leider, leider… Aber dennoch ziehe ich meinen Hut vor dem Mut, diese Produktion anzugehen. Sowas ist mir allemal lieber als das RTL-Filmevent „Helden – wenn Dein Land Dich braucht“.

Zwei Punkte noch, liebes Sat1: Auf eurer Website schreibt ihr, dass „Gojko Mitic … in den 60er Jahren in diversen Karl-May-Verfilmungen zum Chefindianer der DEFA avancierte“. Das ist falsch, denn das sind zwei unterschiedliche Filmreihen. Vielleicht sollte da der Homepagepraktikant besser recherchieren… Mitic spielte in der Karl-May-Verfilmung „Unter Geiern“ einen Gegenspieler Winnetous, UND er war der Chefindianer der DEFA. Aber egal.

Was ich noch zu kritisieren hätte, wäre der Titel. Der wilde Westen war nur dort wild, wo Desperados und Outlaws sich nicht an die Gesetze hielten. Die einzelnen Kulturen der verschiedenen Native Americans waren teilweise sogar sehr zivilisiert. Wild waren da eher Armee und Siedler. Aber vielleicht meinte das ja auch der Redakteur, der den Film taufte.

Ach ja, kleiner Lesetipp: 20 populäre Irrtümer über den Wilden Westen.