Carl Laemmle – Der Mann der Hollywood erfand

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Kaum zu glauben, dass dieser Mann heute nahezu vergessen ist: Carl Laemmle. Denn ohne den 1867 im schwäbischen Laupheim geborenen deutschen Juden Laemmle gäbe es das Filmgeschäft, wie wir es heute kennen, nicht.

Er gründete mit Universal Pictures das erste große Hollywood Studio, erstritt in unzähligen Gerichtsfällen gegen den sogenannten Filmtrust von Thomas A. Edison das Recht, dass auch unabhängige Filmemacher in den Vereinigten Staaten Filme produzieren durfte, er produzierte über 9000 Filme, darunter Klassiker wie “Dracula”, “Frankenstein”, “Das Phantom der Oper”, “Im Westen nichts Neues” und “20.000 Meilen unter dem Meer” und er erfand das sogenannte „Star System“, in dem er aus unbekannten Theaterschauspielern Filmstars machte. Nicht zuletzt erhielt er den Oscar für den besten Film bei der 3. Oscarverleihung 1930 mit „All Quiet on the Western Front“, der Verfilmung des Antikriegsroman “Im Westen Nichts Neues” von Erich Maria Remarque.
Seine Geschichte spielt sich zwischen Chicago, Los Angeles und Laupheim und in der Zeit des Ersten Weltkriegs, den Roaring Twenties und dem Aufkommen des Nationalsozialismus ab. Stets saß er aufgrund seiner Herkunft zwischen den Stühlen. Vor und während des Ersten Weltkriegs wurden die Deutsch-Amerikaner in den USA öffentlich verfolgt. Viele ignorierten ihre Muttersprache und ihre deutsche Herkunft, um nicht anzuecken. Nach dem Weltkrieg geriet die Filmindustrie in die Weltwirtschaftskrise, und Laemmle wurde in seinem geliebten Heimatort Laupheim durch die Nationalsozialisten zur unerwünschten Person.
Doch warum ist er heute vergessen? Warum weiß „man“ nichts mehr über Carl Laemmle, der in den 1920er und 1930er Jahren wöchentlich in den Tageszeitungen erschien, dessen Namen auf unzähligen Filmplakaten prangerte und der viele Juden aus Laupheim und dem Süden Deutschlands vor dem Holocaust rettete? Alle anderen großen Hollywoodmogule sind zumindest den Cineasten geläufig. Die Warner-Brüder, Samuel Goldwyn, Louis B. Mayer und William Fox benannten ihre Studios nach sich selbst. Laemmle, der sich zuerst in der Gegen von Los Angeles niederließ, gründete sein Studio noch vor ihnen und nannte es „Universal“, um den ganzheitlichen Anspruch seiner Unterhaltungsware zu unterstreichen, und nicht, um seinem Namen ein Denkmal zu setzen.

Im letzten Jahr ist die erste fundierte Biographie Laemmles erschienen, die ich nur jedem Film- und Fernsehfreund uneingeschränkt empfehlen kann. Cristina Stanca-Mustea, die Autorin, ist promovierte Filmhistorikerin und hat es mit ihrem Buch geschafft, Laemmle aus der Vergessenheit herauszuholen.

Hier kann man das Buch bestellen.

claemmle

Fantastic Four 1 und Fantastic Four 2 – an Heiligabend Macht Pro7 dieses Mal alles richtig?

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In der Vergangenheit haben wir mehrfach darüber berichtet, dass Pro7 dazu neigt, die Reihenfolge berühmter Filmreihen zu durchbrechen. Häufig wird der neuere Teil zuerst gesendet. Im Anschluss folgt dann der ältere Teil. Dabei ist es dem Sender egal, dass die Handlung chronologisch angeschaut werden muss, weil sie von Autor, Regisseur und dem ganzen Team so entworfen wurde. Wir berichteten hier und hier.
Ich persönlich empfinde es als ignorant die neueren Teile zuerst auszustrahlen, also Spider-Man 3 vor Spider-Man 2. Ganz klar hat das einen wirtschaftlichen Hintergrund, weil man für den neueren Film besser zahlende Werbepartner findet. Ich verstehe schon. So ist es nicht. Dennoch finde ich es für den Zustand des aktuellen Fernsehens bezeichnend. Kommerz geht vor Unterhaltung.
Und dabei dürfen wir nicht vergessen, dass die Kunden des Privatfernsehens nicht die Zuschauer sind, sondern die Werbepartner. Diese Stationen existieren nicht, weil sie uns unterhalten wollen, sondern weil sie uns Werbung vorsetzen müssen, um im harten Kampf an der Wirtschaftsfront mit Gewinn zu bestehen. Ich hab mir diesen Kampf nicht herausgesucht. Sie haben so gewählt.
Nur schade, dass dabei noch die Zuschauer im Spiel sind. Gewissermaßen als Produkt, das man den Werbepartnern verkauft. Man muss ja nicht mitmachen, es gibt ja DVDs, Blurays usw.

In diesem Zusammenhang ist es löblich, dass Pro7 am 24.12. um 20:15 „The Fantastic Four 1“ zeigt, um im Anschluss „The Fantastic Four 2“ zu senden. Wahnsinn! Lest ihr hier mit? Oder wie kamt ihr auf diese crazy Idee. Der erste Teil kommt vor dem zweiten… Ich bin gerührt!

Ein Wehrmutstropfen bleibt. Seid ihr in München sicher, dass das genau das richtige für Heiligabend ist? Welche Werbeblöcke dürfen wir erwarten? Werbung für Gänsebraten? Fondue-Besteck? Maggis Kochstudio mit Würstchen und Kartoffelsalat? Ihr müsst ja nicht die „Letzte Versuchung Christi“ zeigen, aber die „Fantastic Four“ passen wirklich nicht zu Weihnachten. Und nicht falsch verstehen: Es gab schon Karfreitage, an denen „Rambo 3“ lief, und es geht mir nicht um religiöse Gefühle.
Mir geht es viel eher darum, dass ihr nicht versteht, was euer Publikum – ganz gleich, ob ihr es als eure Produkt oder die Idioten, die ihr verarschen wollt betrachtet – sehen möchte.
Denn irgendwann werdet ihr Werbeblöcke senden – und keiner schaut mehr hin.

Tatort Murot – Tatort umstritten – Tatort verrissen

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Die ersten beiden Folgen von Murot hab ich verpasst. Insofern war dies gestern Abend eine Premiere für mich. Alles was ich über Murot wusste, war die Geschichte mit dem Hirntumor. Davon ist er seit gestern Abend spätestens geheilt – aber ich wusste nun nichts mehr über die Figur…

Bild.de empfahl den Tatort, Spiegel.de warnte vor dem Einschalten. Ich freute mich auf einen Tatort, der mit Sicherheit kontrovers bei Twitter diskutiert werden würde.

Hier meine Favoriten:

Und Frank Weissberg bringt es auf den Punkt:

Meine Screentime:
90% Twitter, 10% TV

Gewinner:
Second Screen

Warum drehen die Deutschen Western?

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Lex Barker war 1960 der Meinung, dass ein deutscher Western niemals funktionieren könnte. Zwei Jahre später spielte er den Old Shatterhand in „Der Schatz im Silbersee“ – einem der größten deutschen Filmerfolge, der auch international Anerkennung und Publikum fand. Im Vorfeld waren die Kritiker über „In einem wilden Land“ jedoch geteilter Meinung. Aber warum eigentlich?

Zunächst einmal gebührt Sat1 großes Lob für den Mut, dieses Projekt anzugehen. Normalerweise hören Drehbuchautoren, wenn sie eine Geschichte vorschlagen, die nur halb so aufwendig ist, immer den Satz: „Viel zu teuer.“ Tja, nach „billig“ sehen dann halt auch alle neueren Produktionen aus… Nicht so „In einem wilden Land“. Man drehte zwar nicht in Nordamerika, sondern in Südafrika, aber für einen TV-Film lässt es sich gut ansehen.

Wenn „Der Westen“ titelt: „Spaghetti-Western waren gestern. Jetzt kommt ein Kartoffel-Western“ dann irrt auch er gewaltig. Es gibt den Krautwestern schon länger als den Spaghetti-Western, der im Übrigen aus ihm entstanden ist. Durch die 6 Millionen Deutsche, die bis zum Ersten Weltkrieg in die USA ausgewandert sind und nicht selten in Siedlertrecks über die Prärien zogen, ist der Westen bereits seit 150 Jahren Teil der deutschen Populärkultur. Nicht durch diesen Film entstand ein neues Genre. Vielmehr ist „Im einem wilden Land“ die neueste Ausprägung eines Motivs, dass nicht nur Karl May bereits stark beackert hat.

Leider war die Handlung etwas zu schnulzig, als dass der Film zu einem Klassiker werden wird. Leider war Benno Führmann nicht in Bestform. Leider kam kein richtiges Westerngefühl auf. Leider, leider… Aber dennoch ziehe ich meinen Hut vor dem Mut, diese Produktion anzugehen. Sowas ist mir allemal lieber als das RTL-Filmevent „Helden – wenn Dein Land Dich braucht“.

Zwei Punkte noch, liebes Sat1: Auf eurer Website schreibt ihr, dass „Gojko Mitic … in den 60er Jahren in diversen Karl-May-Verfilmungen zum Chefindianer der DEFA avancierte“. Das ist falsch, denn das sind zwei unterschiedliche Filmreihen. Vielleicht sollte da der Homepagepraktikant besser recherchieren… Mitic spielte in der Karl-May-Verfilmung „Unter Geiern“ einen Gegenspieler Winnetous, UND er war der Chefindianer der DEFA. Aber egal.

Was ich noch zu kritisieren hätte, wäre der Titel. Der wilde Westen war nur dort wild, wo Desperados und Outlaws sich nicht an die Gesetze hielten. Die einzelnen Kulturen der verschiedenen Native Americans waren teilweise sogar sehr zivilisiert. Wild waren da eher Armee und Siedler. Aber vielleicht meinte das ja auch der Redakteur, der den Film taufte.

Ach ja, kleiner Lesetipp: 20 populäre Irrtümer über den Wilden Westen.

Ode an Schimanski

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Zusammenfassung des heutigen Tatorts: Die ARD nannte den Tatort „Schimanski“…

Es gab Zeiten, da konnte ich es kaum abwarten, bis die ARD den nächsten Tatort:Duisburg ausstrahlte. Genau in diesen Zeiten zählte die Bild am Sonntag mit, wie häufig Schimmi „Scheiße“ und „Arschloch“ innerhalb der 90 Minuten sagte.

Damals war das ein Skandal, heute juckt das keinen mehr – also das Fluchen… Horst Schimanski jedoch ist ein echter TV-Dauerbrenner, der noch immer zieht und der sich ständig neu erfunden hat, um aktuell zu bleiben.
Ähnlich wie Bond ist Schimanski ritualisiert. Es ist die immer gleiche Geschichte des Underdogs, ganz gleich, ob er nun Bulle ist oder nicht. (Das Wort Bulle hab ich übrigens von Horst Schimanski gelernt). Zu Schimanski gehört ebenso sein Citroen und sein Armee-Parker. Vergleichbar sind sie mit Bonds Ashton Martin, seinem Smoking oder dem geschüttelten Wodka Martini. Hänschen ist im Grunde eine Vermischung aus Q und M. Seit Schimanski nicht mehr innerhalb der Tatort-Reihe ermittelt, ersetzt Chiem van Houweninge zu dem den viel zu früh verstorbenen Eberhard Feik, der im Tatort:Duisburg Schimanskis Kollegen Thanner spielte. Wie oft habe ich mir schon vorgestellt, wie und was Thanner heute wäre, wenn Feik noch leben würde. Thanner als Kriminaldirektor, der Schimmi das Leben beim Ermitteln schwer macht, ist meine Lieblingsvariante.
Bei Twitter war man sich über die neue Folge Schimanski uneins. Einigen gefiel es, einigen gefiel es nicht. Wie so oft. Aber vergleicht man den Schimmi mit dem Rest, was uns sonst so geboten wird, dann kann ich zumindest nur ganz laut schreien: Macht weiter mit Schimanski!!! Zeigt am besten einen pro Monat! Ach was, pro Woche!!!
Franziska@xxzicke schrieb es bei Twitter: „32 Jahre #Schimanski. Nur Bond ist länger im Job. Aber bei Schimanski ist es immer noch der gleiche.!
Recht hast Du, Franziska.
Ein Hoch auf Dich, Götz George, und Deine Kunst.

Leserbrief: Hilfe! Das TV ist krank…

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Von unserer Leserin Tanja Volk erhielten wir folgenden Leserbrief, den wir hier gerne veröffentlichen:

Vor ein paar Tagen bin ich auf diesen sehr interessanten Blog gestoßen und mein erster Gedanke war: Ja! Da gibt es jemand, der die Fernsehlandschaft ganz ähnlich betrachtet wie ich. Da das heutige Programm beherrscht wird von Trash-TV, Assi-TV und Dauerwerbesendungen, hab ich mich oft nicht getraut, als „Spielverderber“ dazustehen und Sendungen totdiskutieren zu müssen. Zudem reguliert nachwievor die Nachfrage das Angebot und unsere Gesellschaft hat sich in den letzten Jahren so entwickelt, dass solche Sendungen gefragt sind.

Die TV-Sender regieren darauf, weil es heutzutage ein knallhartes Geschäft ist, das durch Quoten regiert wird. Der Erfolg steht und fällt mit der Quote.
Eigentlich mag ich persönlich die Aussage „Früher war alles besser“ überhaupt nicht, denn die Zeiten ändern sich eben, aber aufs Fernsehen bezogen, muss ich diese Aussage teilweise bestätigen. Woran liegt das? Früher hatte man wesentlich weniger Sender und zwangsläufig weniger Formate. Man freute sich noch auf den Samstag-Abend, wenn sich die ganze Familie vor dem Fernseher versammelte und alle gemeinsam eine Unterhaltungssendung schaute. Es war ein Gemeinschaftserlebnis. Als Kind freute man sich auf das Ferienprogramm, es gab ja keine 24-Stunden-Dauerberieselung auf mehreren Kanälen. Ich habe selbst zwei Kinder, wir haben zu Hause drei Fernseher und das „Gemeinschaftserlebnis“ bleibt auf der Strecke. Auf den gefühlten 500 Sendern, ist jeder am Dauerzappen, um seine eigenen Interessen zu decken. Ich möchte jetzt aber nicht dastehen wie der intellektuelle Fernsehzuschauer…nein..ich lasse mich auch gerne einfach nur berieseln. Unterhaltungssendungen sind mir momentan fast schon zu überdreht. Ich nenne das gerne „Halli Galli Drecksauparty“. Gut, ich mochte früher „Spiel ohne Grenzen“ sehr gerne, da wurde auch schon gespielt, ohne intellektuellen Anspruch, aber heutzutage spielt man sich fast schon zu Tode….und überall Promis, Promis, Promis. Es gibt kaum noch Formate, wo es kein dazugehöriges Promi-Format gibt. Viel amüsanter ist, wer sich heutzutage alles Promi nennen darf? Man sperrt sie überall hin, in Häuser, in den Dschungel, auf Almen, nach Afrika. Vielleicht sollte man den ein oder anderen einfach nicht mehr rauslassen? Dann würden eventuell auch die Formate wieder von der Bildfläche verschwinden…

Dazu kommen noch die „Assi-TV“-Formate, ich nenne sie persönlich so. Wieviele Familien begleitet man inzwischen schon mit der Kamera? In wievielen Wohnzimmern wurde schon gedreht? Und ganz schlimm finde ich die Formate, wo das alles nur gespielt ist? Schlechte Darsteller, die sich teilweise Schauspieler nennen und Drehbücher, an denen sich unsere Kinder vielleicht noch Beispiele nehmen?
Filme und Serien werden immer mehr aus USA „eingekauft“. Schaffen wir es einfach nicht mehr gute Filme oder Serien selbst zu produzieren oder ist es auch hier „Geschäft“ und nicht mehr rentabel, eigene Ideen umzusetzen? Gut, ich habe früher auch amerikanische Serien geschaut, als noch nicht alles CSI war, sondern noch Denver, Dallas, Falcon Crest, ein Colt für alle Fälle und Miami Vice hieß. Damals, als es noch mehr lebendige als tote Personen und weniger Action in den Serien gab. Trotz allem gab es auch die Schwarzwaldklinik, den Monaco Franze und die Kir Royal-Szene, die uns unterhielt. Und Filme? Spielfilme schaue ich grundsätzlich lieber im Kino als im Fernsehen.

Aber ja, es gibt sie noch, die Sendungen, die sehenswert sind. Manchmal traue ich mich aber gar nicht zu sagen, welche Formate ich gut finde. Meine Generation neigt dazu, dass man dann als „altmodisch“ oder „Spaßbremse“ bezeichnet wird. „Willst du intellektuell wirken?“, habe ich auch schon zu hören bekommen. Nein! Das möchte ich nicht! Dann könnte ich auch den ganzen Tag Arte schauen. Fernsehen soll einfach meinen Anspruch von Unterhaltung erfüllen. Ich bin persönlich sehr an Menschen, ihrem Verhalten und ihren Geschichten interessiert. Deshalb gibt es fünf Sendungen, die ich regelmäßig schaue: „Straßenstars“, „Sag die Wahrheit“, „Kesslers Expeditionen“, „37 Grad“ und „Tatort“. Alles recht einfache Sendungen ohne Schnickschnack! Auch versuche ich wöchentlich die Freitag-Abend-Talkshows im Dritten zu verfolgen, wobei die Tendenz die letzten Jahre auch in Richtung Dauerwerbesendung geht. Die Leute stellen ihre Bücher, Programme, Sendungen und Projekte vor und ich finde, die zwischenmenschlichen Gespräche gehen sehr verloren.

Somit bin ich bei meinem Lieblingsthema gelandet. Das Fernsehgeschäft! Betonung auf Geschäft! Ich persönlich nenne es immer Haifischbecken. Nein, ich kenne mich in der Branche überhaupt nicht aus, zumindest nicht hinter den Kulissen. Ich sitze zu Hause vor einer Glasscheibe, „glotze“ in ein eckiges Gerät und mache mir ein Bild davon, wie das auf mich als Zuschauer wirkt. Für mich entsteht die letzten Jahre der Eindruck, die „Fernsehmacher“ und auch die Menschen vor der Kamera machen das nicht mehr vordergründig, um die Leute zu unterhalten und zu bespaßen, sondern es ist ihr Job, im dem sie gut verdienen und ordentlich Profit schlagen können. Moderatoren wechseln ständig die Sender, Formate werden eingestellt, es kommen sogenannte Erfolgsformate, die im Ausland gut laufen. Es ist mir einfach alles zu profitorientiert und nicht mehr ehrlich genug.

Mancher wird jetzt denken: „Warum motzt sie denn hier herum und drückt nicht einfach den Aus-Knopf?“ Nein, ich schau gerne fern. Vor 20 Uhr läuft er bei mir nicht, aber ich kenne queerbeet so ziemlich alle Sendungen, weil ich eine Zapperin bin und gerne hin und herschalte. Manchmal bleibe ich an dem ein oder anderen Format hängen und amüsiere mich köstlich, wie Fernsehen so läuft. Ich habe letzte Woche tatsächlich eine ganze Folge „Bauer sucht Frau“ durchgehalten. Da ich die Sendung „Switch Reloaded“ genial finde, ist es natürlich auch wichtig zu wissen, worüber ich mich lustig mache. Ja, Thema Comedy. Ich bin schon seit vielen Jahren ganz großer Comedy-Fan. Im Fernsehen wird mir das die letzten Jahre zuviel. Es ist viel Schrott dabei, vor allem wenn man Fan von Live-Bühnenshows ist, was ein gewaltiger Unterschied zur Comedy-Unterhaltung im Fernsehen ist. Es gibt Formate, die sind recht lustig, kommt aber in den seltesten Fällen an eine Bühnenshow ran. Ich sage immer, es ist wie bei Schauspielern. Nur ein Schauspieler, der ein Publikum einen Abend lang auf einer Theaterbühne unterhalten kann, ist ein guter. Fernsehen ist ein lukrativer Nebenjob, sagt aber für mich nichts über das Können aus. So auch bei der Comedy, ein Genre, in dem es fast noch schwerer ist, ein Publikum von einer Bühne aus zu unterhalten, denn Komiker müssen nicht nur unterhalten, sondern auch die Gabe haben, die Zuschauer zum Lachen zu bringen. Ein reiner Fernseh-Comedian würde im Leben nie die Anerkennung von mir bekommen, die ein Komiker auf der Bühne erntet. Hier kann man nichts schneiden und nichts wiederholen. Es muss einfach sitzen! Da merkt der Zuschauer, wenn etwas gestellt lustig wirken soll. Leider ist es halt so, dass inzwischen alle Bühnen-Komiker auch im Fernsehen zu sehen sind. Es ist in der heutigen Zeit ein wichtiger Faktor auf dem Weg zum Erfolg.

Ich bin seit vielen Jahren Fan von Bülent Ceylan, noch bevor er im Fernsehen mit seiner eigenen Show war. Sehr oft bin ich bei seinen Live-Auftritten dabei und als ich damals hörte, er bekomme eine eigene RTL-Show, stand ich der Sache anfangs auch kritisch gegenüber. Ich weiß, wie er live ein Publikum unterhalten kann, dass er ein gnadenlos guter Komiker ist und menschlich sehr auf dem Boden geblieben ist. Ich hatte wirklich Bedenken, dass er gerade bei RTL verheizt werden könnte und die Zuschauer vielleicht einen falschen Eindruck bekommen. Es war doch im Nachhinein nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte. Ich war insgesamt bei acht Aufzeichnungen in den vier Staffeln dabei und es lief vor Ort in Köln alles sehr human ab. Vielleicht gibt es doch Unterschiede bei den einzelnen Produktionen. Ich hatte hierbei nicht so wirklich den Eindruck, dass alles nur Geschäft ist, sondern dass es in erster Linie um Unterhaltung geht. Jedoch hörte ich in meinem Umfeld in der Zeit auch viele Stimmen, die ihn NUR durch das Fernsehen kannten. Aussagen wie „Typischer RTL-Comedian“, „Der schreit auch nur plakativ im Fernsehen rum“, „Trash-TV“ bekam ich zu hören und ich musste oft auch Gegenargumentieren: „Geht zu einer Live-Bühnenshow und reduziert ihn nicht nur auf`s Fernsehen“. Das fruchtete meistens. Ich kenne niemanden, der je gesagt hat, er findet ihn im Fernsehen besser als auf der Bühne.

Aber es gab auch einen Abend, an dem meine Befürchtungen bestätigt wurden. Wie gesagt, ich mag Comedy und dachte mir dieses Jahr: „Jetzt hab ich jahrelang den Deutschen Comedypreis im Fernsehen angeschaut. Fährste mal hin, wie das so vor Ort ist.“ Ich kam zurück mit der Erkenntnis: „Das brauche ich nicht wieder!“ Das lag vielleicht auch daran, dass ich vor Beginn der Aufzeichnung zwei ganz negative Erfahrungen mit zwei „Möchtegern-Promis“ gemacht habe und schon etwas geknickt in die Aufzeichnung ging. Ich fand das alles etwas aufgesetzt und geheuchelt. Vielleicht habe ich dabei auch einfach zuviel nachgedacht. Mit den Nominierungen war ich im Vorfeld schon nicht zufrieden und die Preise, die vergeben wurden, sind in meinen Augen nicht immer in den richtigen Händen gelandet. Ich fing dann währenddessen an nachzudenken, warum, wegen welchem Vertrag, wegen welchem Sender und welchem Profit man nun demjenigen den Preis gibt. Das ein oder andere Mal dachte ich auch: „Mist! Daheim auf der Couch könnte ich jetzt mal herumzappen, im zappen bin ich Weltmeister“. Dieser Abend war eine Erfahrung, die mich bei ganz vielen Ansichten, was die Fernsehbranche betrifft, bestätigt haben.

Das war jetzt sehr viel Kritik am Medium „Fernsehen“, aber ich finde generell schade, dass es sich in eine falsche Richtung entwickelt. Ich schaue trotzdem jeden Abend rein, irgendwo findet sich immer etwas und falls nicht, es gibt auch noch das Internet, dass inzwischen in unserer Gesellschaft schon fast den höheren Stellenwert hat, zumindest was die Informationen betrifft.
Ich habe mich wirklich gefreut, diesen Blog hier gefunden zu haben, der sich zwar mit Fernsehen beschäftigt, das ein oder andere auch gut findet, aber auch immer die kritischen Aspekte mit einbaut. Definitiv bin ich seit letzter Woche „Stammleser“. Danke an den Blogger für die Mühe, bestimmte Sendungen zu analysieren.

LG
Tanja,
die als Kind Captain Future oder Linus von den Peanuts heiraten wollte, die Lucys Knetfiguren gerne zu Hause gehabt hätte, die Heidi beneidet hat, die relativ früh entdeckt hat, dass es die Intrigen und Eigeninteressen von Dallas, Denver und Falcon Crest auch im richtigen Leben gibt und deshalb Sonntag für Sonntag mit den Tatort-Kommissaren für eine bessere Welt kämpft!

Warum das Messsen der TV-Quote in der Zielgruppe absoluter Schwachsinn ist!

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Im Grunde war es eine Sensation. Mir stockte der Atem, als ich es las, und ich war mir sicher, dass dies die Welt – vor allem die Fernsehwelt – deutlich verändern würde. Ich glaube es war im Frühjahr 2010, und es stand im Spiegel. In einem kleinen, eingekästelten Interview gestand der frühere RTL-Boss Helmut Thoma, dass er die „Werberelevante Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen aus der Not heraus erfunden hat, um RTL bei Werbepartnern besser aussehen zu lassen.

Helmut Thoma muss einem fast leid tun, wenn man ihm so zuhört: „Ich komm mir vor wie der Zauberlehrling, der nicht mehr beherrscht, was er entfacht hat“. Er weiß, dass die Einteilung in 14- bis 49-Jährige reine Willkür ist und wundert sich, dass selbst ARD und ZDF seiner Idee hinterherrennen und im Grunde verfallen sind. Er lächelt darüber: „Dabei hatte unsere Argumentation von Anfang an enorme Lücken“. Und was macht der Rest der Republik: Er fällt darauf rein. Werbeagenturen wie Sender.

Das ist jetzt nun schon ein paar Jahre her. Und jeder weiß es. Doch was ist passiert??? Nichts!

RTL hat weiter gemacht wie bisher. Das verwundert nicht. Das liebe RTL will ja auch nur Geld verdienen. Dass aber die Öffentlich-Rechtlichen weiterhin dem Zielgruppendogma hinterherdackeln erschließt sich mir nicht. Es erschloss sich mir noch nie, weil diese Sender darauf ja gar nicht angewiesen sein müssten. Jetzt, da sich die sogenannte „Zielgruppe“ als Schwachsinn entpuppt hat, machen ARD und ZDF trotzdem munter weiter. Aber warum? Keine Eier in der Hose, oder was? Will man an die Schwachsinn glauben? Oder ist man fehlinformiert? Ich weiß es nicht. Und niemand rückt mit der Sprache raus.

RTL ist da übrigens cleverer. Da auch die RTL-Zuschauer älter werden, hat der Kölner Sender seine Zielgruppe nach oben erweitertet. Nun stehen die 14- bis 59-Jährigen im Visier. Problem gelöst? Leckt mich. Ich liege in der neuen wie in der alten Definition der Zielgruppe genau in der Mitte – und was ich auf den Sendern sehe, ist zumeist ziemlich großer Schwachsinn. Ich würde mir lieber eine IQ-Quote wünschen. Nicht bei den Zuschauern, sondern bei den Machern!

Hier übrigens das Eingeständnis in Bild, Ton und Farbe! Ach ja, der Gefrierbrand ist auch erfunden. Das tut aber grad nix zur Sache. Do hock di nieda un I erzoil Dir jetzt, wie I die Leid verorschd hob: