Tatort Murot – Tatort umstritten – Tatort verrissen

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Die ersten beiden Folgen von Murot hab ich verpasst. Insofern war dies gestern Abend eine Premiere für mich. Alles was ich über Murot wusste, war die Geschichte mit dem Hirntumor. Davon ist er seit gestern Abend spätestens geheilt – aber ich wusste nun nichts mehr über die Figur…

Bild.de empfahl den Tatort, Spiegel.de warnte vor dem Einschalten. Ich freute mich auf einen Tatort, der mit Sicherheit kontrovers bei Twitter diskutiert werden würde.

Hier meine Favoriten:

Und Frank Weissberg bringt es auf den Punkt:

Meine Screentime:
90% Twitter, 10% TV

Gewinner:
Second Screen

Wie war der Tatort Stuttgart mit dem Mann, wo meine Schwester bumsen tut?

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In den letzten Wochen haben mich, mit wenigen Ausnahmen, die meisten Tatorte enttäuscht. Sie haben mich entweder kalt gelassen, war zu verwirrend oder einfach irgendwie kitschig. Gestern Abend habe ich daher keine große Hoffnung in den Tatort aus Stuttgart gelegt.
Zu Beginn das Tatorts sah ich mich eigentlich bestätigt. Besonders unangenehm stießen mir die holprigen und pathetischen Dialoge auf, was ich von Autor Wolfgang Stauch bislang nicht kannte. „Sie kümmern sich um die Toten, ich um die Lebenden“ war eines der Beispiele, die ich persönlich zu kitschig fand. Er klingt nach 19. Jahrhundert oder noch älter. Auf der anderen Seite versuchte man sich in Jugendsprache. „Mann, wo meine Schwester bumsen tut.“ Herrje!!! Grammatikalisch wäre es ja astreines Schwäbisches, wenn man es als solches aussprechen täte. Also was jetzt? Ghetto? Oder Schwäbisches?? Oder beides? Mir wäre hier jede Variante lieber gewesen, nur nicht die, für die sich die Macher entschieden hatten.
Doch wenn man diese Phase überstanden hatte, wurde man belohnt. Während viele der anderen Tatorte geraden damit beschäftigt sind, altbekannte Erzählstrukturen aufzubrechen, kam der gestrige Tatort Stuttgart als klassischer Sonntagsrkimi daher. Und das hat Seltenheitswert – mittlerweile.
Wenn man sich durch die ersten 30 Minuten gekämpfte hatte, entwickelte sich „Happy Birthday, Sarah“ zu einem spannungsgeladenen Krimi mit einer Bemerkenswerten Titelfigur. Schauspielerin Ruby O. Fee spielte überzeugend und mitreißend.
Wasserdicht ist der Krimi allerdings nicht zu 100%. Einige Fährten verlaufen im Laufe der Handlung im Nichts und werden nicht weiter aufgegriffen. Das ist in sofern schade, als dass es sich – wie gesagt – um einen konventionellen Krimi handelte. Kurzweilige Unterhaltung bot der Tatort jedoch auf jeden Fall. Für mich war es sogar einer der besten im 2. Halbjahr.

Was macht eigentlich ein Tatort-Koordinator?

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In den vergangenen Monaten herrschte Unruhe im Tatort-Universum. Mehrere Kommissare nahmen den Hut oder wurden entlassen, unzählige neue kamen hinzu. Zwischenzeitlich verlor man schon fast den Überblick, wer alles wo ermittelte.

Der Tatort Hamburg veränderte sich mt Til Schweiger und Wotan Wilke Möhring, Devid Striesow übernahm im Saarland, in Dortmund ermittelt ein ganzen Teams, in Erfurt treten erstmals junge Ermittler an den Start. Darüber hinaus darf man gespannt sein, was in Berlin und Frankfurt geschehen wird. Und dann steht ja auch noch der Tatort Weimar vor der Tür. Es tut sich was im Staate Dänemark!

Beinahe könnte man den Überblick verlieren. Beinahe! Zum Glück gibt es einen Job, den ich beispielsweise gerne inne hätte, der für den reibungslosen Ablauf des Tatorts sorgen muss: Der Tatort-Koordinator. Doch wer ist er und wie weit gehen seine Befugnisse?

Seit 2007 ist Prof. Gebhard Henke Tatort-Koordinator und als solcher beim Westdeutschen Rundfunk eingestellt. Der studierte Historiker und Germanist, stellt klar, dass alle Tatort im Grunde autonom von den einzelnen ARD-Anstalten produziert werden. Daran halt sich die ARD seit dem Beginn der Reihe in den Siebziger Jahren. Der Tatort-Koordinator liest also nicht alle Drehbücher und greift aktiv in eine Produktion ein, wenn er gebracht werden würde, er koordiniert viel mehr die fertigen Produktionen nach ihrer Herstellung. So liegt es in seiner Verantwortung, wann welcher Tatort – auch welche Wiederholung – ausgestrahlt wird.

Der Tatort-Koordinator findet nicht, dass die ARD derzeit zu viele Teams ins Rennen schickt. Einerseits möchten einige Schauspieler nur einen Tatort pro Jahr produzieren, andererseits bedeuten neue Teams auch Erneuerung und Zukunft. Während die ARD häufig diesbezüglich kritisiert wird, ist der Tatort hier dem Sender eine Nasenlänge voraus.

Tatort-Koordinator Gebhard Henke liest den Erfolg eines Tatorts übrigens von Twitter ab. Wenn viel getwittert wird, so Henke, dann ist der Tatort gut. Danke, wir geben uns auch alle Mühe!!! Wenn viel getwittert wird, heißt das nämlich nicht, dass sich die Zuschauer langweilen.

In eigener Sache: Beim nächsten Tatort einfach mal hier reinschauen: TV-Zwitscherer auf Twitter.

Ode an Schimanski

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Zusammenfassung des heutigen Tatorts: Die ARD nannte den Tatort „Schimanski“…

Es gab Zeiten, da konnte ich es kaum abwarten, bis die ARD den nächsten Tatort:Duisburg ausstrahlte. Genau in diesen Zeiten zählte die Bild am Sonntag mit, wie häufig Schimmi „Scheiße“ und „Arschloch“ innerhalb der 90 Minuten sagte.

Damals war das ein Skandal, heute juckt das keinen mehr – also das Fluchen… Horst Schimanski jedoch ist ein echter TV-Dauerbrenner, der noch immer zieht und der sich ständig neu erfunden hat, um aktuell zu bleiben.
Ähnlich wie Bond ist Schimanski ritualisiert. Es ist die immer gleiche Geschichte des Underdogs, ganz gleich, ob er nun Bulle ist oder nicht. (Das Wort Bulle hab ich übrigens von Horst Schimanski gelernt). Zu Schimanski gehört ebenso sein Citroen und sein Armee-Parker. Vergleichbar sind sie mit Bonds Ashton Martin, seinem Smoking oder dem geschüttelten Wodka Martini. Hänschen ist im Grunde eine Vermischung aus Q und M. Seit Schimanski nicht mehr innerhalb der Tatort-Reihe ermittelt, ersetzt Chiem van Houweninge zu dem den viel zu früh verstorbenen Eberhard Feik, der im Tatort:Duisburg Schimanskis Kollegen Thanner spielte. Wie oft habe ich mir schon vorgestellt, wie und was Thanner heute wäre, wenn Feik noch leben würde. Thanner als Kriminaldirektor, der Schimmi das Leben beim Ermitteln schwer macht, ist meine Lieblingsvariante.
Bei Twitter war man sich über die neue Folge Schimanski uneins. Einigen gefiel es, einigen gefiel es nicht. Wie so oft. Aber vergleicht man den Schimmi mit dem Rest, was uns sonst so geboten wird, dann kann ich zumindest nur ganz laut schreien: Macht weiter mit Schimanski!!! Zeigt am besten einen pro Monat! Ach was, pro Woche!!!
Franziska@xxzicke schrieb es bei Twitter: „32 Jahre #Schimanski. Nur Bond ist länger im Job. Aber bei Schimanski ist es immer noch der gleiche.!
Recht hast Du, Franziska.
Ein Hoch auf Dich, Götz George, und Deine Kunst.

Alter, krass und Fuck’n’ Go – Bäm! So shizzle war der Erfurt Tatort

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Meine Zusammenfassung: Eine twitternde Praktikantin weiß alles. Verhörräume sind in Erfurt Mangelware. Und leider aß man Currywurst statt Thüringer Rostbratwurst!

Zugegeben. Es gab schon schlechtere Debüts. Doch darüber war man sich uneins. Die Meinungen reichten vom „gelungenen Einstand“ bis hin zur „gähnenden Langeweile“. Und ja, man wusste nach 15 Minuten wer es war und ahnte, wer es aufklären würde. Nämlich die Studentin und die Praktikantin. Es gab schon bessere Fälle, aber ich hab auch kein Kleinod der deutschen Fernsehunterhaltung erwartet.
Der neue Tatort Erfurt begann mit Action. Mit etwas Parkour – ganz im Stile von Casino Royale. Einige fühlten sich an den Tatort von Til Schweiger erinnert. Nur hätte Nick Tschiller wahrscheinlich mehr geballert.
Was aber gar nicht ging, war die Currywurst. Wenn man in Thüringen so einen Exportschlager wie die Rostbratwurst hat, muss man sie schon raushängen lassen! In München wirbt man ja auch nicht mit Spätzle für die eigenen Kulinaritäten.
Die Rolle der Praktikantin fand ich etwas verschenkt. Sie sah gut aus, wusste alles und hat den Fall gelöst, während die Jungs im Keller saßen, um einen Verdächtigen zu verhören. Aber irgendwie muss da mehr kommen… Und „Alter Falter“ wie „krass“ sieht’s bei euch denn im Verhörraum aus, liebe Erfurter? Hat das städtische Theater gerade die Bühnenbildpraktikantin entlassen und ihr wolltet sie mit einem Job versorgen?
Ein Highlight gab es noch: Nachdem wir nun bereits seit Jahren tatort-twittern haben sich die Macher vom Erfurter Tatort etwas einfallen lassen: Die Praktikantin twittert nun mit uns mit. Auch gut. Herzlich willkommen im Kreise. Nur so „abgefahren“, „neu“ und „genial“ einige diese Idee auch fanden (die Praktikanten vom MDR?), eine kleine von mir sehr geschätzte Krimibuch-Reihe hat sie dem Tatort Erfurt bereits vorweggenommen: Der Mannheim-Krimi mit seiner twitternden Kommissarin Olivia von Sassen.
Dem jungen Erfurter Team wünsche ich viel Durchhaltevermögen. Einen Tatort mit jungen, unverbrauchten Schauspielern bekommt man nicht alle Tage serviert. Ich persönlich bin gespannt, wie sich die Sprache des Teams verändern wird, wenn es einmal so viele Dienstjahre auf dem Buckel hat wie Ballauf und Schenk oder die Kollegen aus Ludwigshafen. Ich brech ab, Langer.

Gute Nacht → Fuck’n’Go.