Aufklärung für die Massen – Team Wallraff bei RTL

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Früher galt Günter Wallraff als ein Enthüller, der auf der guten Seite und gegen die Etablierten kämpft. Umso verwunderter las ich, dass Wallraff nun FÜR RTL recherchiert. Müsste er nicht BEI RTL recherchieren? Müsste er nicht die Machenschaften des Kölner Senders aufdecken?
Doch der Reihe nach.
In der ersten Folge nahm sich das Team Wallraff die Fastfood-Kette Burger King vor. Die Ergebnisse der Recherche sind wenig erstaunlich und bestätigen, was man von Fastfood-Läden hält, (obwohl man paradoxerweise hin und wieder dort selbst isst). Das Essen ist veraltet, die Mitarbeiter werden ausgebeutet, und mit der Hygiene hält man es nicht so genau. Durchaus können Darmbakterien im Essen gefunden. Im Grunde ist das selbstverständlich, wenn jemand die Toilette putzen und danach wieder in der Küche stehen muss.
All die Ergebnisse sind fernsehtechnisch so aufbereitet, als würde es sich um Privatfernsehen handeln. Ständig wird das Bild mit bedrohlicher Musik unterlegt. Schlüsselaussagen werden wiederholt, wiederholt, wiederholt, damit man sie auch versteht. Wallraff agiert dabei als Inquisitor, ohne dessen Ideen, wo als nächstes recherchiert werden sollte, sein Team nicht weiter wüsste. Dabei liegen die nächsten Schritten zumeist auf der Hand. Fernsehen für Blöde also?
Doch wie geht das zusammen mit RTL und Günter Wallraff, der einst in den Siebziger Jahren die Bildzeitung ausspionierte und der zur Ikone des investigativen Journalismus aufstieg. Intellektuelle Begleiter Wallraffs mögen über RTL und die Machart des Privatfernsehens die Nase rümpfen, doch im Grunde macht Wallraff alles richtig. Er recherchiert für die Massen. Er klärt nicht bei ARTE über Burger King auf, sondern bei RTL. Damit erreicht er Massen und damit erreicht er diejenigen, die seine Rechercheergebnisse am meisten betreffen.
Wallraff und RTL passen unter diesem Gesichtspunkt eben sehr gut zusammen.

Ein Gedanke zu “Aufklärung für die Massen – Team Wallraff bei RTL

  1. Wenn man es ehrlich ausspricht, ist es wie der gutbürgerliche Stammtisch, wo sich über alles aufgeregt wird und letztendlich nichts passiert.

    Mal davon abgesehen, dass in diesem Falle 1-2 Köpfe rollen und vorübergehend 1-2 Filialen geschlossen werden, ändert sich am grundlegenden Problem nichts. Nachdem Fernsehköche seit 3 Jahren die meiste Zeit Küchen putzen anstatt Gemüse hätte längst die Lebensmittelkontrolle viel ernster genommen werden müssen.

    Der Aufschrei – dass man wöchentlich verdreckte Küchen gesehen hat blieb aus. Das einzige was die EU zwischenzeitlich verboten hat ist das ausnehmen von Frischfisch (wen störts – meistens kommt TK Ware auf den Tisch) und die Verwendung von nachfüllbaren Ölflaschen auf dem Tisch (nach ein paar Monaten schon wieder zurückgenommen).

    Auch die angeprangerten niedrigen Verdienste sehen in der Gegenüberstellung nicht mehr so schlimm aus. Bei der Reportage wurde der Fillalleiterposten mit „unterbezahlten“ 1800 Euro angeprangert, Köche in der Ausbildung verdienen ca. 417 Euro und aus-gelernt geht man manchmal mit nur 1000 (brutto) Euro nach Hause.

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