Carl Laemmle – Der Mann der Hollywood erfand

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Kaum zu glauben, dass dieser Mann heute nahezu vergessen ist: Carl Laemmle. Denn ohne den 1867 im schwäbischen Laupheim geborenen deutschen Juden Laemmle gäbe es das Filmgeschäft, wie wir es heute kennen, nicht.

Er gründete mit Universal Pictures das erste große Hollywood Studio, erstritt in unzähligen Gerichtsfällen gegen den sogenannten Filmtrust von Thomas A. Edison das Recht, dass auch unabhängige Filmemacher in den Vereinigten Staaten Filme produzieren durfte, er produzierte über 9000 Filme, darunter Klassiker wie “Dracula”, “Frankenstein”, “Das Phantom der Oper”, “Im Westen nichts Neues” und “20.000 Meilen unter dem Meer” und er erfand das sogenannte „Star System“, in dem er aus unbekannten Theaterschauspielern Filmstars machte. Nicht zuletzt erhielt er den Oscar für den besten Film bei der 3. Oscarverleihung 1930 mit „All Quiet on the Western Front“, der Verfilmung des Antikriegsroman “Im Westen Nichts Neues” von Erich Maria Remarque.
Seine Geschichte spielt sich zwischen Chicago, Los Angeles und Laupheim und in der Zeit des Ersten Weltkriegs, den Roaring Twenties und dem Aufkommen des Nationalsozialismus ab. Stets saß er aufgrund seiner Herkunft zwischen den Stühlen. Vor und während des Ersten Weltkriegs wurden die Deutsch-Amerikaner in den USA öffentlich verfolgt. Viele ignorierten ihre Muttersprache und ihre deutsche Herkunft, um nicht anzuecken. Nach dem Weltkrieg geriet die Filmindustrie in die Weltwirtschaftskrise, und Laemmle wurde in seinem geliebten Heimatort Laupheim durch die Nationalsozialisten zur unerwünschten Person.
Doch warum ist er heute vergessen? Warum weiß „man“ nichts mehr über Carl Laemmle, der in den 1920er und 1930er Jahren wöchentlich in den Tageszeitungen erschien, dessen Namen auf unzähligen Filmplakaten prangerte und der viele Juden aus Laupheim und dem Süden Deutschlands vor dem Holocaust rettete? Alle anderen großen Hollywoodmogule sind zumindest den Cineasten geläufig. Die Warner-Brüder, Samuel Goldwyn, Louis B. Mayer und William Fox benannten ihre Studios nach sich selbst. Laemmle, der sich zuerst in der Gegen von Los Angeles niederließ, gründete sein Studio noch vor ihnen und nannte es „Universal“, um den ganzheitlichen Anspruch seiner Unterhaltungsware zu unterstreichen, und nicht, um seinem Namen ein Denkmal zu setzen.

Im letzten Jahr ist die erste fundierte Biographie Laemmles erschienen, die ich nur jedem Film- und Fernsehfreund uneingeschränkt empfehlen kann. Cristina Stanca-Mustea, die Autorin, ist promovierte Filmhistorikerin und hat es mit ihrem Buch geschafft, Laemmle aus der Vergessenheit herauszuholen.

Hier kann man das Buch bestellen.

claemmle

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