Nachruf auf Chris Howland

Standard

Lieber Christopher Howland,

Du bist nun bei Paulchen Kuhn, Hans Rosenthal, Hans-Joachim Kuhlenkampf und all den anderen Showstars der Sechziger und Siebziger Jahre. Wir werden Dich schmerzlich vermissen.
Du warst schon ein Star, bevor das Fernsehen richtig laufen konnte. Du stammst aus einer Zeit, als die Deutschen sich weltmännisch fühlen wollten, wenn sie gemütlich auf dem Sofa Platz genommen hatten. Das schönste in dieser Zeit war, wenn ein Engländer Musik anmoderierte oder sonstige Europäer plötzlich Schlager sangen. Ein fremder Akzent machte noch keinen Star, reichte aber aus, um gehört zu werden.
Deine Karriere begann in der Nachkriegszeit, als Du 1946 im besetzten Hamburg als Sprecher beim Radiosender der Britischen Armee anheuertest. Schnell wurdest Du beliebt, weil Du Humor und Popmusik zu Deinen Hörer brachtest. Beides kannten sie damals nicht. Durch Dich haben unzählige Deutsche, den Rock’n’Roll kennengelernt.
Ein Mann wie Du musste zum Fernsehen. Und auch hier leistetest Du Pionierarbeit. „Musik aus Studio B“ und „Vorsicht Kamera“ sind dank Dir ein Teil der TV-Geschichte. Leider zerbrach Deine Zusammenarbeit mit Harald Vock, dem Macher von „Studio B“. Nach einem Streit hast Du die Sendung verlassen, und er zerstörte all Deine Bänder. Was für ein Frevel, ein Stück Fernsehgeschichte einfach so zu löschen. Shame on you, Mr. Vock! Er wollte Dich auslöschen und die Erinnerung an Dich. Geschafft hat er das jedoch nicht.
Mit „Vorsicht Kamera“ brachtest Du etwas Anarcho-Humor in die bitterernste, deutsche Fernsehlandschaft. Doch was heute fast beschaulich und sogar naiv wirkt, entzündete damals einen politischen Skandal. In Bonn ließ man Dich verbieten, weil Du die Bevölkerung vorführtest! Dabei hast Du nur eine Isetta umgebaut, so dass sie an der Tankstelle 120 Liter fasste! Bei vielen Sendungen würde ich mir wünschen, die Politik würde sie verbieten, weil dort ganz besonders die Menschen vorgeführt werden. Aber es hat Dich getroffen und nicht die Talkshowmoderatoren der Neunziger…
Ich habe Paul Kuhn vor wenigen Wochen ein Bier aufs Klavier gestellt. Heute lege ich zu Deinen Ehren mal wieder eine Schallplatte auf.

Ein Gedanke zu “Nachruf auf Chris Howland

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s