80er-Jahre Revival – The Goldbergs auf ABC

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Man soll ja Gelegenheiten immer beim Schopf ergreifen. Vor wenigen Wochen war ich in den USA und habe die ersten Folgen der Serie „The Goldbergs“ auf ABC gesehen. Bereits der Trailer hat bei mir Vorfreude ohne Ende ausgelöst. Eine Serie im 80er-Style mit 80er-Klamotten und 80er-Sprüchen. Eigentlich hatte ich das seit ALF nicht mehr…
Fasziniert hat mich zunächst, dass – nach Mad Men und Pan Am – sich eine weitere Serie einem Jahrzehnt widmet. Diesmal waren es die 80er-Jahre, und die Serie scheint ganz auf Unterhaltung und Spaß getrimmt zu sein. Doch um entweder in Richtung Mad Men zu gehen oder auch um an „Die wunderbaren Jahre“ heranzureichen, fehlen ihr Tiefgang und Esprit.
UND: Es fehlt ihr an gut gezeichneten Charakteren. Irgendwie scheint jeder in der Familie ein Choleriker zu sein. Das macht vielleicht dem Autor Spaß zu schreiben, der Zuschauer vermisst jedoch schnell etwas Abwechslung.
Leider, leider sind die Goldbergs daher nur halb so lustig, wie sie hätten sein können. Der Autor klebt zu sehr an seiner eigenen Vergangenheit und versieht zudem den Abspann mit Filmschnipseln der eigenen Familie aus den 80ern. Muss nicht sein. Schreib lieber was Witziges, als uns alle daran teilhaben zu lassen, wie Du die 80er-Jahre und die Erlebnisse mit Deiner Familie aufarbeitest.
Einziger Lichtblick aus meiner Sicht ist Jeff Garlin, der hierzulande wahrscheinlich eher unbekannt ist, aber neben Seinfeld Co-Creator Larry David bereits in Curb Your Enthusiasm brillierte. Garlins erster Auftritt als Familienvater war mein absoluter Höhepunkt, und ich musste lauf auflachen. Doch Vorsicht! Bereits nach fünf Sekunden ist die Nummer auch schon wieder vorbei:

Was mit den Goldbergs in der deutschen Synchronisation passieren wird, kann man sich im Moment noch gar nicht vorstellen. Vielleicht schaffen Sie es nicht über den Atlantik – und wenn sie es doch schaffen, drücke ich die Daumen, dass der deutschen Synchronisation etwas gelingt, was nur ganz selten passiert (aber immerhin passiert es bisweilen): Nämlich dass die Synchronisation lustiger ist als das Original.

Der Wahnsinn geht weiter, Pro7! „Ocean’s 13“ vor „Ocean’s Twelve“?? WTF?!

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Liebes Pro7, seit jeher folgt auf Teil 1 Teil 2. Diesem wiederum folgt Teil 3. Damit stellen Filmemacher eine bestimmte Reihenfolge sicher, in der sie ihre Geschichten erzählen. Der eindeutige Zweck einer Zahlenreihenfolge müsste doch klar sein. Über Sinn und Zweck müssen wir ja nicht diskutieren.

Am Samstag ist es nun wieder soweit. Um 20:15 Uhr senden Sie brav „Ocean’s 13“, nur damit sie im Anschluss „Ocean’s Twelve“ versenden dürfen. Ich kann darüber nur den Kopf schütteln. Twelve ist übrigens Englisch und bedeutet auf Deutsch so viel wie „12“.

Warum zum wiederholten Male dritte Teile vor zweiten Teilen gesendet werden, erschließt sich mir nicht. Hält es der Sender etwas für besser zuerst das Ende zu erzählen und dann den Mittelteil? Glaubt man, dass dadurch mehr Zuschauer einschalten werden, weil sie die Filme schon immer einmal in der verkehrten Reihenfolge sehen wollten? Ich verstehe es nicht. Helfen Sie mir und erklären Sie es! Vielleicht liegt das Problem ja gar nicht bei Ihnen, vielleicht sind ja auch wir Zuschauer zu blöd. Mich eingeschlossen.

Oder ist es wohlmöglich ein Test? Möchten Sie herausfinden, ob wir so blöd sind und es nicht merken? Oder ist es eine geheime Gameshow, und Pro7 sucht mit solchen Methoden den aufmerksamsten Zuschauer. Falls ich gewonnen habe, würde ich den Preis annehmen.

Generell lässt sich gegen ein Double Feature ja nichts einwenden. Im Gegenteil! Ich persönlich begrüße es, wenn gleich mehrere Teile einer Filmserie an einem Abend gesendet werden. Aber auf eine verdrehte Reihenfolge habe ich natürlich keine Lust.

Ich erinnere mich noch sehr gut, an die Werbekampagne ihres Senders, bei dem die Zuschauer dazu bewegt werden sollten, Pro7 auf Kanal 7 der Fernbedienung zu legen. Sie wollten damit sicherstellen, dass der Sender mit einem Knopfdruck zu finden ist. Und Recht haben Sie damit! Wenn Ihnen aber so viel an Zahlen liegt, dann senden Sie doch künftig auch die Filmreihen in der richtigen Reihenfolge.

Spider-Man 3 vor Spider-Man 2! WTF?!

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Es ist zwar schon eine Weile her, doch mein Ärger ist noch immer nicht verflogen. Pro Sieben, ein TV-Sender, dessen Claim besagt, dass er es liebe, uns zu unterhalten, strahlte an einem Freitagabend vor wenigen Wochen den dritten und finalen Teil der Spider-Man-Trilogie mit Tobey Maguire am gleichen Abend wie den zweiten Teil aus. Nur: Der dritte Teil wurde zuerst gesendet, im Anschluss lief dann der zweite Teil.

Was ist mit der Story, Pro Sieben? „Horizontales Erzählen“ höre ich aus euren Redaktionen. Doch hier wird das über den Haufen gekehrt? Warum? Ist es euch egal, dass die Handlung so ad absurdum geführt wird? Sind euch die Zuschauer egal, die diese Handlung vier bis fünf Stunden lang vor den TV-Geräten verfolgen sollen? Warum zeigt ihr nicht den zweiten und dann den dritten Teil?

Der Spider-Man-Abend ist dabei leider nur ein Beispiel, wie ihr euren eigenen Claim zerstört. In eurer Businesssprache: Ihr zerstört euren Markenkern!

Im Grunde blieb dieser Vorfall von der medialen Welt nahezu unbemerkt. Es gab keinen Aufschrei, keine Diskussion. Bei Twitter nicht, bei Facebook nicht und in den Blogs auch nicht. Mir bleibt lediglich das Schulterzucken einiger Mitstreiter in Erinnerung: „Ich schau eh kein Pro Sieben.“ Warum wohl?

Anscheinend interessiert es also niemanden oder aber: Man hat sich an solche Maßnahmen der TV-Sender bereits gewöhnt. Diejenigen, die die Spider-Man-Filme lieben, haben sie auf DVD oder Blu-ray und können sie in beliebiger Reihenfolge anschauen. Und Pro Sieben ist froh, dass es um seine Werbeblöcke etwas Marvel legen konnte.

Nur mitgedacht ist das nicht. Und von „love“, die der Sender in sich hat, um uns zu „entertainen“ spürt man auch nichts. In München sollte man sich also besser schnell bewusst werden, dass der Sender eher als etwas wahrgenommen wird, auf den dieser Claim passen würde: „We would love to entertain you, but unfortunately we have to broadcast advertising and put some movies around it.“

Ein kleiner Wink mit dem Nostalgie-Zaunpfahl sei erlaubt: Als Winnetou 1965 in „Winnetou 3. Teil“ starb, gab es einen Fanaufstand, als er nur wenige Monate später in nächsten Karl-May-Film wieder auftrat. Das passte nicht in das chronologische Empfinden der Zuschauer. Er war doch tot. So wie das Fernsehen bald auch, weil sich keine Sau mehr drum kümmert. Leider.