Fernsehen gernsehen

angepinnt

Ladies und Gentlemänner,

es ist ein wenig Zeit seit meinem letzten Blogeintrag vergangen. Aber dafür gibt es einen handfesten Grund. Ein Buch. Mein Buch. Die Biografie des TV-Zwitscherers Ben Kaspari – mit so namhaften Kapitel wie „ALF“, „Ein Colt für alle Fälle“ etc.

Der Roman entführt euch zurück in die 80er und 90er Jahre, als das Fernsehen noch faszinierende, bunte Bilder ausstrahlte. Schaut es euch an! Mehr demnächst.

Aufklärung für die Massen – Team Wallraff bei RTL

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Früher galt Günter Wallraff als ein Enthüller, der auf der guten Seite und gegen die Etablierten kämpft. Umso verwunderter las ich, dass Wallraff nun FÜR RTL recherchiert. Müsste er nicht BEI RTL recherchieren? Müsste er nicht die Machenschaften des Kölner Senders aufdecken?
Doch der Reihe nach.
In der ersten Folge nahm sich das Team Wallraff die Fastfood-Kette Burger King vor. Die Ergebnisse der Recherche sind wenig erstaunlich und bestätigen, was man von Fastfood-Läden hält, (obwohl man paradoxerweise hin und wieder dort selbst isst). Das Essen ist veraltet, die Mitarbeiter werden ausgebeutet, und mit der Hygiene hält man es nicht so genau. Durchaus können Darmbakterien im Essen gefunden. Im Grunde ist das selbstverständlich, wenn jemand die Toilette putzen und danach wieder in der Küche stehen muss.
All die Ergebnisse sind fernsehtechnisch so aufbereitet, als würde es sich um Privatfernsehen handeln. Ständig wird das Bild mit bedrohlicher Musik unterlegt. Schlüsselaussagen werden wiederholt, wiederholt, wiederholt, damit man sie auch versteht. Wallraff agiert dabei als Inquisitor, ohne dessen Ideen, wo als nächstes recherchiert werden sollte, sein Team nicht weiter wüsste. Dabei liegen die nächsten Schritten zumeist auf der Hand. Fernsehen für Blöde also?
Doch wie geht das zusammen mit RTL und Günter Wallraff, der einst in den Siebziger Jahren die Bildzeitung ausspionierte und der zur Ikone des investigativen Journalismus aufstieg. Intellektuelle Begleiter Wallraffs mögen über RTL und die Machart des Privatfernsehens die Nase rümpfen, doch im Grunde macht Wallraff alles richtig. Er recherchiert für die Massen. Er klärt nicht bei ARTE über Burger King auf, sondern bei RTL. Damit erreicht er Massen und damit erreicht er diejenigen, die seine Rechercheergebnisse am meisten betreffen.
Wallraff und RTL passen unter diesem Gesichtspunkt eben sehr gut zusammen.

Game of Thrones – Auftakt der 4. Staffel

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ACHTUNG SPOILER!!!!!!!!!

 

Endlich, endlich ist es soweit. Die amerikanische TV-Serie „Game of Thrones“ geht in die vierte Staffel. Die Premiere der ersten Folge erfolgte am 6. April auf HBO – jenem Sender, der gerade eine hochwertige Serie nach der anderen raushaut.

Seit einem Jahr warteten die Fans weltweit sehnsüchtig auf die Fortsetzung, die auf der Buchreihe „The Song of Ice and Fire“ von George R. R. Martin, kurz GRRM, beruht. Martin arbeitet gerade am sechsten Band, der nicht vor 2015 erscheinen soll.

Die dritte Staffel hat die Fangemeinde entrüstet zurückgelassen. Beinahe könnte man davon sprechen, dass die „Thronies“ seit der Folge 9 der dritten Staffel unter einer posttraumatischen Belastungsstörung stehen. Die zehnte und letzte Folge konnte die Geschehnisse der Roten Hochzeit nicht wieder gut machen, umso dringlicher wurde eine Fortsetzung benötigt. In der Folge stürzten sich die Fans auf die Bücher, um möglichst schnell zu wissen, wie es weitergeht.

Diejenigen, die noch nicht zu den Büchern gegriffen haben, können – je nach TV-Abonnement – in den nächsten Wochen sehen, wohin die vierte Staffel führt. Sie beruht auf dem letzten drittel des dritten Buches „A Storm of Swords“ sowie Elementen aus dem vierten und fünften Teil, die zeitlich parallel spielen.

Die PR-Kampagne zur Seite lief unter der Headline „All Men Must Die“. Damit nehmen die Macher nicht nur den Faden der vorangegangenen Episoden auf, sondern rücken auch die weiblichen Charaktere ins Rampenlicht. Vor allem die grandiose Schlussszene verdeutlicht nur allzu gut, dass die Frauen in der vierten Staffel das Sagen haben werden.

Die amerikanischen Zuschauer bescherten HBO die höchste Einschaltquote seit dem Serienfinale der „Sopranos“ im Jahr 2007. Den Staffelauftakt sahen am Sonntag 6,6 Millionen Zuschauer – zum Start der dritten Staffel waren es nur 4,4 Millionen gewesen. Der Sender bestellte zudem gleich zwei weitere Staffel.

Nörgelkultur und unfähige TV-Macher zerstören „Wetten dass…?“

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Jetzt haben wir es also geschafft. „Wetten dass…?“ ist abgesetzt. Der Dino geht nach 33 Jahren vom Sender. Schade, ZDF. Dein neuer Intendant wollte sehen, wie stark die „Marke“ noch ist. Das Ergebnis kennen wir nun.
Apropos „Marke“. Lieber Herr Dr. Thomas Bellut, wenn Sie einen derart zynischen Abstand zu ihren „Marken“ und „Produkten“ haben, die Sie über den Äther jagen, dann müssen Sie sich nicht wundern, dass die Zuschauern einen faden Beigeschmack haben. Um in Ihrer Sprache zu bleiben: Ihnen fehlt „Content“! Ich kenne Werber, die montagmorgens lauthals durch die Agentur schreien „Content is King“! Hätten Sie sich das doch mal zu Herzen genommen, dann wäre die „Marke“ auch stark geblieben. Mir wäre es allerdings am liebsten gewesen, Sie hätten gar nicht erst von der „Marke“, sondern von der „Sendung“ „Wetten dass…?“ gesprochen.
Wenn ich oben schreibe, dass „wir“ es geschafft haben, so meine ich damit Deutschlands Nörgler. Und das sind nicht wenige. Wie geifernd eifrig und stolz sich manche an der Online-Petition gegen Lanz beteiligt haben, fand ich wiederum ekelerregend. Hauptsache dabei, Hauptsache dagegen und das ganze in rationale Argumente gepackt, um die es nie ging. Das scheinheiligstes Argument kam von jemanden, der alles schwarz und online schaut: „Ich will nicht, dass die den Lanz mit MEINEN Gebühren finanzieren.“ Lanz und „Wetten dass…?“ schaut er sich eh nicht an. Er regt sich also über etwas auf, was ihn gar nicht betrifft. Und so sind viele unter uns. Aufregen um des Aufregens willen.
Mir geht es so, dass ich bei 90% aller Sendungen nicht will, dass ich einen kleinen Anteil an den Kosten durch meine Gebühren abdecke. Lanz hin und her, er ist nicht das Schlimmste, was ich seit 1978 im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk gesehen habe. Da gibt es ganz andere. Und nicht zuletzt finanziert man mit seinen Rundfunkgebühren auch eine Menge Bürokratie und Korruption. Da könnte man mal ansetzen. Interessant wird sein, was das ZDF nun anstelle von „Wetten dass…?“ senden wird. Wird man in Mainz eine „starke Marke“ aus dem Hut zaubern, die mehr Zuschauer anzieht als die paar 5 Millionen von gestern? Ich glaube nicht.
Tot liegt „Wetten dass…?“ nun am Boden. Zerstört von Machern, die seit Jahren nicht mit der Zeit gingen und es versäumten, „Wetten dass…?“ der Zeit anzupassen. Nörgler gab es schon zu Gottschalks und Elstners Zeiten, der Niedergang der Show begann noch im letzten Jahrhundert. Aber in Mainz geht man nicht mit der Zeit, dafür ist das Schiff ZDF nicht flexibel genug. Es ist ein Amt, das gerne ein modernen Unternehmen wäre.
Und nun zu euch, liebe Nörgler: Welche Sau treibt ihr denn ab heute durchs Dorf? Habt ihr schon was gefunden? Wie wäre es mit dem „Tatort“? Da könntet ihr sicher ne Weile nörgeln und euch in eurem Saft suhlen. Nur los, ich bin gespannt. Heute Abend, 20:15 Uhr. Immer schön dagegen sein. Ja, ja, schon klar, das gibt euch das Gefühl, dass ihr kritisch und intelligent seid. Aber selbst etwas erschaffen, das geht irgendwie nicht, oder? Es ist einfacher, liebe Nörgler, etwas kaputt zu machen, als etwas aufzubauen. Und wenn einmal alles kaputt ist, über was wird dann genörgelt? Oder jammert ihr dann, dass früher alles besser war?

Tatort: Der Fall Reinhardt (Köln)

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Endlich war der Tatort mal wieder ein Krimi!

Fräulein Bücherwald

Tatort-Köln

Eine düstere Atmosphäre, eine Familie am Boden. So oder so ähnlich könnte man den heutigen Tatort aus Köln beschreiben.

Wir erinnern uns: Der letzte Fall der Kölner Kommissare Freddy Schenk und Max Ballauf endete dramatisch. Und zwar mit der Ermordung ihrer langjährigen Assistentin Franziska. Schauspielerin Tessa Middelstaedt schied so aus dem Ermittlerteam aus. Am Ende einer dramatischen Geiselnahme und eines Katz- und Maus- Spiels mit einem Psychopathen, kam es zum Showdown, der für sie mit dem Tod endete.

Doch dieser neue Fall ist vollkommen befreit von körperlicher Brutalität. Vielmehr scheint er eine Art psychologisches Lehrstück zu sein, über die Abgründe, die in jeder Familie lauern können.

Am Anfang stehen drei Kinderleichen in einem verbrannten Haus. Die Art des Feuers lässt darauf schließen, dass es sich um eine Serie von Brandstiftungen handelt, die seit einiger Zeit in Köln passiert. War es also ein Nebeneffekt der Brandstiftung, dass die Kinder dabei…

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Tatort: Zirkuskind (Ludwigshafen)

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War im Dschungel gefangen, aber Fräulein Bücherwald hat auf den Tatort aufgepasst…

Fräulein Bücherwald

Tatort-Ludwigshafen

Die berechtigten Fragen am Beginn dieser Tatort- Folge: Ein Tatort, der im Zirkus spielt? Die Kommissare sitzen in der Vorstellung, nach der jemand zu Tode kommt? Das gab es doch neulich erst?

Richtig! Am 8.12.2013 erst stolperte Kommissar Murot aus Wiesbaden auf exakt dieselbe Weise in einen Kriminalfall wie heute die beiden Ludwigshafener Kommissare Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Mario Kopper (Andreas Hoppe).

Die beiden Urgesteine des deutschen Tatorts schienen das Milieu aber nicht abgegriffen genug zu finden und so ging es eben zum Zirkus, nun gut.

Ein junger Artist wird in der Nacht nach einer erfolgreichen Vorstellung erschlagen in der Manege aufgefunden. Eifersucht? Beziehungsdrama? Schmuggel? Die Motive häufen sich schnell, die Verdächtigen stehen auch parat – nur der Zusammenhang fehlt irgendwie. Um die ganze Handlung schleicht dann noch ein gefährlich aussehender Tunesier mit perfekten Deutschkenntnissen, der eine zwielichtige Rolle zu spielen scheint, den die Kommissare aber im Gegensatz zu…

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Carl Laemmle – Der Mann der Hollywood erfand

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Kaum zu glauben, dass dieser Mann heute nahezu vergessen ist: Carl Laemmle. Denn ohne den 1867 im schwäbischen Laupheim geborenen deutschen Juden Laemmle gäbe es das Filmgeschäft, wie wir es heute kennen, nicht.

Er gründete mit Universal Pictures das erste große Hollywood Studio, erstritt in unzähligen Gerichtsfällen gegen den sogenannten Filmtrust von Thomas A. Edison das Recht, dass auch unabhängige Filmemacher in den Vereinigten Staaten Filme produzieren durfte, er produzierte über 9000 Filme, darunter Klassiker wie “Dracula”, “Frankenstein”, “Das Phantom der Oper”, “Im Westen nichts Neues” und “20.000 Meilen unter dem Meer” und er erfand das sogenannte „Star System“, in dem er aus unbekannten Theaterschauspielern Filmstars machte. Nicht zuletzt erhielt er den Oscar für den besten Film bei der 3. Oscarverleihung 1930 mit „All Quiet on the Western Front“, der Verfilmung des Antikriegsroman “Im Westen Nichts Neues” von Erich Maria Remarque.
Seine Geschichte spielt sich zwischen Chicago, Los Angeles und Laupheim und in der Zeit des Ersten Weltkriegs, den Roaring Twenties und dem Aufkommen des Nationalsozialismus ab. Stets saß er aufgrund seiner Herkunft zwischen den Stühlen. Vor und während des Ersten Weltkriegs wurden die Deutsch-Amerikaner in den USA öffentlich verfolgt. Viele ignorierten ihre Muttersprache und ihre deutsche Herkunft, um nicht anzuecken. Nach dem Weltkrieg geriet die Filmindustrie in die Weltwirtschaftskrise, und Laemmle wurde in seinem geliebten Heimatort Laupheim durch die Nationalsozialisten zur unerwünschten Person.
Doch warum ist er heute vergessen? Warum weiß „man“ nichts mehr über Carl Laemmle, der in den 1920er und 1930er Jahren wöchentlich in den Tageszeitungen erschien, dessen Namen auf unzähligen Filmplakaten prangerte und der viele Juden aus Laupheim und dem Süden Deutschlands vor dem Holocaust rettete? Alle anderen großen Hollywoodmogule sind zumindest den Cineasten geläufig. Die Warner-Brüder, Samuel Goldwyn, Louis B. Mayer und William Fox benannten ihre Studios nach sich selbst. Laemmle, der sich zuerst in der Gegen von Los Angeles niederließ, gründete sein Studio noch vor ihnen und nannte es „Universal“, um den ganzheitlichen Anspruch seiner Unterhaltungsware zu unterstreichen, und nicht, um seinem Namen ein Denkmal zu setzen.

Im letzten Jahr ist die erste fundierte Biographie Laemmles erschienen, die ich nur jedem Film- und Fernsehfreund uneingeschränkt empfehlen kann. Cristina Stanca-Mustea, die Autorin, ist promovierte Filmhistorikerin und hat es mit ihrem Buch geschafft, Laemmle aus der Vergessenheit herauszuholen.

Hier kann man das Buch bestellen.

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